PP, PE, PC, Tritan und PET: Temperatur, Spülmaschine und Mikrowelle im Überblick
Jeder Einkäufer im Handel fragt irgendwann, ob die Flasche in die Spülmaschine darf. Die Antwort hängt vom Kunststoff ab, von der Wandstärke und vom Korb. Hier ist die Tabelle, mit der wir arbeiten.

Die Tabelle
| Werkstoff | Dauergebrauch | Spülmaschine | Mikrowelle | Gefrierfach | Transparenz |
|---|---|---|---|---|---|
| PP – Polypropylen | bis ≈ 100–110 °C | Ja, oberer Korb | Ja | Ja | Transluzent |
| HDPE / LDPE | ≈ 80–100 °C | Nur oberer Korb, dünne Teile verziehen sich | Nicht empfohlen | Ja | Opak |
| PC – Polycarbonat | bis ≈ 115–130 °C | Ja | Ja, aber siehe Hinweis | Ja | Glasklar |
| Tritan – Copolyester | bis ≈ 95–100 °C | Ja, oberer Korb | Nicht zum Erhitzen | Ja | Glasklar |
| PET | ≈ 60–70 °C | Nein | Nein | Ja | Transparent |
Zwei Spalten verdienen einen Warnhinweis. „Dauergebrauch“ ist nicht der Schmelzpunkt – es ist die Temperatur, bei der das Teil unter seinem Eigengewicht auf Dauer formstabil bleibt. Und „Spülmaschine“ bedeutet oberer Korb: Das Heizelement sitzt unter dem unteren Korb, und die Luft direkt darüber wird weit heißer als die Spültemperatur, die am Programmwähler der Maschine steht.
Was tatsächlich schiefgeht – und Schmelzen ist es selten
In dieser Kategorie schmilzt nichts in der Spülmaschine. Was passiert, ist Verzug: eine ovale Öffnung, die nicht mehr am Deckel abdichtet, ein Boden, der wackelt, ein Schraubgewinde, das klemmt. Das zeigt sich nach fünfzehn oder zwanzig Spülgängen – lange nachdem die Ware abgenommen wurde.
Dünne Wände verziehen sich zuerst. Ein PP-Becher mit 0,8 mm und eine PP-Flasche mit 1,6 mm Wandstärke verhalten sich in derselben Maschine unterschiedlich. Deshalb lautet die ehrliche Antwort auf „Ist PP spülmaschinenfest?“: „Dieses Teil ist es, bei dieser Wandstärke, im oberen Korb.“
Die zweite Fehlerart ist Spannungsrissbildung (Crazing) – ein Netz feiner Risse in transparenten Werkstoffen, ausgelöst eher durch die Chemie des Spülmittels als durch Hitze. PC und Tritan sind beide gut dagegen beständig; PET ist es nicht, und das ist ein Grund, warum PET in Einwegflaschen gehört und nicht in Mehrwegflaschen.
PP ist das Arbeitspferd
PP verträgt kochendes Wasser, übersteht Spülmaschine und Mikrowelle, ist gegen die meisten Reinigungsmittel beständig und ist von den fünf Werkstoffen im Spritzguss am günstigsten. Für Shaker, Schulflaschen, Brotdosen und Badezimmerbecher ist es meist die richtige Wahl.
Was es nicht kann: wie Glas aussehen. PP ist bestenfalls transluzent, und im Handelsregal neben einer transparenten Flasche ist dieser Unterschied aus zwei Metern Entfernung sichtbar.
PE ist weicher, als Einkäufer erwarten
Polyethylen ist flexibel und nachgiebig und eignet sich daher gut für Quetschflaschen, weiche Deckel und Dichtungen. Es ist zugleich der Werkstoff mit der niedrigsten Temperaturbeständigkeit unter den gängigen Trinkgefäß-Kunststoffen, und dünne PE-Teile verformen sich in einem heißen Spülgang auch dann, wenn das Datenblatt des Kunststoffs etwas anderes nahelegt.
In der Praxis setzen wir PE für Komponenten ein, nicht für ganze Flaschen: das Scharnier des Klappdeckels, den Trinkhalm, die Dichtung.
PC ist der Hitzemeister – mit einer Compliance-Frage
Polycarbonat hat hier die höchste Gebrauchstemperatur und echte optische Klarheit bei hoher Schlagzähigkeit. Wenn eine transparente Flasche gefordert ist, die einen Sturz auf Beton und wiederholtes heißes Spülen übersteht, leistet PC das.
Herkömmliches PC wird unter Verwendung von Bisphenol A hergestellt. Europäische Einkäufer fragen direkt danach, manche Handelsprogramme schließen PC grundsätzlich aus, und einige wenige Märkte beschränken es in Kinderartikeln. Der Mikrowellen-Hinweis in der Tabelle betrifft dasselbe Thema: Beim Erhitzen von Lebensmitteln in PC wird die Migrationsfrage besonders heikel. Wenn Ihr Markt sensibel ist, setzen Sie entweder eine BPA-freie Type mit Prüfbericht ein oder wechseln Sie zu Tritan.
Tritan spezifizieren heute die meisten westlichen Marken
Tritan ist ein Copolyester, der entwickelt wurde, um PC-ähnliche Klarheit und Zähigkeit ohne Bisphenol A zu bieten. Er lässt sich gut spülen, neigt nicht zu Spannungsrissen, und „BPA-frei“ ist eine Aussage, die Sie schriftlich treffen können, statt sie einschränken zu müssen.
Er kostet pro Kilogramm mehr als PC und verträgt Dauerhitze schlechter – er ist ein Werkstoff für kalte und zimmerwarme Getränke, nicht zum Einfüllen von kochendem Wasser. Für Fitnessflaschen, Shaker und hochwertige Sportflaschen für die USA und die EU ist er der Standard, und das schon seit mehreren Jahren.
So schreiben Sie das in eine Spezifikation
- Nennen Sie den Kunststoff und die Type, nicht die Werkstofffamilie. „PP“ ist eine Familie; die Type bestimmt das tatsächliche Wärmeverhalten.
- Geben Sie den Verwendungszweck an: Heißgetränk, nur Kaltgetränk oder Lebensmittelkontakt mit Aufwärmen.
- Formulieren Sie die Spülanforderung als Prüfung, nicht als Adjektiv – zum Beispiel: „kein sichtbarer Verzug und keine Undichtigkeit nach 50 Spülgängen, oberer Korb“.
- Verlangen Sie das Chargenzertifikat des Kunststoffs für das Produktionslos und bewahren Sie ein versiegeltes Rückstellmuster aus der Lieferung auf.
Welche der drei Hauptoptionen zu einem bestimmten Produkt passt – und wo jede kommerziell statt technisch scheitert –, behandelt unser Vergleich von Tritan, PC und PP.