Was „auslaufsicher“ wirklich bedeutet – und die vier Prüfungen hinter dem Wort
Jeder Anbieter von Trinkgefäßen auf der Welt schreibt „auslaufsicher“ in die Produktbeschreibung. Hinter dem Wort steht keine Norm, also bedeutet es, was immer das Werk darunter verstehen will. Hier steht, was wir tatsächlich prüfen – und was sich ein Einkäufer zeigen lassen sollte.

Prüfung eins – statisches Eintauchen
Die Flasche wird bis zum Nennvolumen gefüllt, verschlossen und 30 Minuten lang kopfüber unter Wasser gehalten. Jede Blasenspur zeigt, wo Luft entweicht – und dort wird später auch Flüssigkeit austreten. So fallen Probleme beim Sitz der Dichtung und unvollständig ausgespritzte Flaschenkörper auf.
Es ist die günstigste Prüfung und die, bei der die meisten Werke aufhören. Für sich allein beweist sie sehr wenig, denn eine ruhig stehende Flasche ist nicht das, was in der Tasche eines Kunden versagt.
Prüfung zwei – Druck- und Temperaturwechsel
Warme Flüssigkeit in einer verschlossenen Flasche baut Innendruck auf, und in der Flugzeugkabine sinkt der Außendruck. Wir füllen mit Wasser von 60 °C, verschließen, lassen abkühlen und wiederholen den Zyklus. Die Dichtung muss beim Ausdehnen und Zusammenziehen ihre Form behalten.
Hier versagen billige TPE-Dichtungen. Sie bekommen einen Druckverformungsrest, verlieren ihre Rückstellkraft, und die Flasche, die am ersten Tag die Tauchprüfung bestanden hat, ist in der dritten Woche undicht.
Prüfung drei – Fall und Stoß
Eine gefüllte Flasche wird aus 1,2 m Höhe – etwa Schreibtischhöhe – auf einen harten Untergrund fallen gelassen: auf den Flaschenboden, auf die Schulter und auf den geschlossenen Deckel. Wir suchen nicht nur nach Rissen. Wir suchen nach einem Deckel, der beim Aufprall aufspringt – das ist der Fehler, der eine Laptoptasche durchnässt.
Bei Flaschen mit Tragegriff oder Karabiner wiederholen wir den Falltest hängend am Griff, denn so wird die Verbindung tatsächlich belastet.
Prüfung vier – der Schütteltest, auf den es bei Shakern ankommt
Ein Protein-Shaker wird Kräften ausgesetzt, die keine Trinkflasche je erlebt. Wir füllen ihn bis zum Nennvolumen mit Wasser und Pulver, schütteln ihn 200 Zyklen lang kräftig von Hand und prüfen dann Gewinde, Dichtungssitz und Ausgussklappe.
Diese Prüfung deckt Toleranzprobleme auf, die zum Verkanten des Gewindes führen. Wenn sich der Deckel leicht schräg schließen lässt und sich trotzdem fest anfühlt, finden 200 Schüttelzyklen das heraus – und Ihr Kunde auch.
Was Sie von Ihrem Lieferanten verlangen sollten
Fragen Sie, welche dieser vier Prüfungen er durchführt, mit welchem Stichprobenumfang und in welcher Phase – nur an Erstmustern oder auch an Produktionschargen. Verlangen Sie die Aufzeichnungen, kein Zertifikat: Für Dichtheitsprüfungen gibt es kein Zertifikat.
Wir prüfen an Produktionschargen, nicht nur am Vorserienmuster, denn die entscheidende Fehlerursache ist ein Werkzeug, das über einen Lauf von 100.000 Stück abdriftet. Wenn ein Lieferant Ihnen nur eine Prüfung an dem Muster zeigen kann, das er Ihnen geschickt hat, zeigt er Ihnen das Falsche.